Bundesverband Aktuell

Heißgeliebt und nachgefragt (06-2010)       
Ökumenischer Kirchentag (04-2010)       
Vortrag Frau Dr. Hadwig Müller (03-2010)       
Bundesversammlung in Limburg (03-2010)       
Sehnsucht nach der Diaspora (11-2009)       
Bundesversammlung in Tauberbischofsheim (10-2009)       
Vorstandssitzung September 2009 (08-2009)       
Fulda neuer Mitgliedsverband (04-2009)       
Residenzpflicht - Zum Stand der Dinge (04-2009)       
Bundesversammlung in Speyer (03-2009)       
Lernende Organisation "Bundesverband" (11-2008)       
Bundesversammlung in Bonn (11-2008)       


Wir bedanken uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die großartige Präsentation unseres GR-Bundesverbandes auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München.

Weitere Fotos von Michaela Labudda gibt es in einem Picasa-Album!


„Nur zaghaft stimmen wir ein in das Lied der Maria" (Nikolaus Schneider)

Eindrücke vom 2. Ökumenischen Kirchentag

Als der Ratsvorsitzende der EKD, Nikolaus Schneider am Ende seiner Predigtgedanken zum Magnifikat beim Abschlussgottesdienst des ÖKT in München den in der Überschrift zitierten Satz von der „Zaghaftigkeit" sagte, hatte ich den Eindruck, dass er damit etwas auf den Punkt bringt, was typisch war für den ÖKT und vielleicht ein wenig typisch ist für Christen in Deutschland.

Ein freundlicher, ruhiger, dialogbereiter aber auch etwas zahnloser Kirchentag. So zumindest präsentierte er sich in den Messehallen, in denen ich bei der Kälte die meiste Zeit verbrachte.

„Was ist die Botschaft dieses Kirchentags?" so fragen wir uns am Samstag beim Frühstück im Hotel. „Wie erleben wir die unzähligen Stände in den Hallen und das unübersichtliche Programm mit Veranstaltungen ohne Ende?"

Als Einheit in Vielfalt? Oder doch eher als zerfledderte Angebotsfülle?
Auf dem Weg durch die Hallen von Stand zu Stand entsteht eher der Eindruck von Nebeneinander als von Miteinander. Ich bleibe vor allem dort stehen, wo ich Bekannte treffe - bei den MAVen, beim Weltgebetstag, beim Stand meiner Diözese.
Wohl dem, der in der Fülle der Angebote einen „heimatlichen Stand" hat, so wie wir vom Gemeindereferentinnen-Bundesverband. Er liegt abseits, ganz hinten in Halle A6. Das hat den Nachteil, dass wenig Laufkundschaft und VIP's vorbeikommen. Es hat den Vorteil, dass viele Gemeindereferent/innen sich dort eine Weile ausruhen, ins Gespräch kommen und sich an Obatzter-Broten und Johannisbeersaftschorle stärken können.

Nach Ankunft im Hotel am Donnerstagnachmittag und Abholen des Presseausweises in einer Messehalle war mein erster Programmpunkt ein Ökumenischer Frauengottesdienst im Liebfrauendom. Mein Ausweis ermöglichte ein Betreten der hoffnungslos überfüllten Kirche durch die Sakristei. Gesehen habe ich dort zwar auch nichts, aber es war warm und ich konnte mich gemütlich auf dem Holzboden vor einem Seitenaltar niederlassen. Vertraute Stimmen waren zu hören - Petra Heilig, die Geschäftsführerin des Weltgebetstags versuchte gelassen das Gedränge in der Kirche zu managen, Astrid Herrmann (WGT / kfd / GR aus Dresden) war als Verantwortliche für den musikalischen Teil singend zu hören und Margot Käßmann war die Predigerin. Angewiesen auf das Hören fiel mir ganz besonders auf, wie angenehm ihre Stimme klingt und natürlich musste ich schmunzeln als sie sagte „Die Pille kann man auch als Gottesgeschenk sehen". Ich hatte sofort die Schlagzeile vor Augen, die dann auch am nächsten Tag die Zeitung zierte, die an der Hotelrezeption auslag.

Nachdem ich den ganzen Freitag eher planlos verbracht hatte entschied ich mich dann am Samstagmorgen, mich erneut dem Phänomen „Käßmann" zuzuwenden. Und das, obwohl ich doch an sich nicht viel für „Gurus" wie z.B. Anselm Grün oder den Dalai Lama übrig habe...

Die Halle füllte sich bereits während der Bibelarbeit von Manuel Andrak. Ich erwischte einen Platz in der ersten Reihe neben zwei sympathischen Pressekollegen vom Deutschlandfunk. Am Ende des Vortrags sagte einer der beiden: „Das ist die Einzige für die es sich lohnt, aufzustehen. Ob er damit „morgens aus dem warmen Bett hinaus" in den nasskalten ÖKT meinte oder einfach „standing ovations" weiß ich nicht.
Doch was ist es, was sie für die Kirchentagsbesucher so anziehend macht?
Zum Teil sicher der eine oder andere Aspekt von dem, was sie sagt. Es ist nichts völlig Neues oder Ungewöhnliches. Eher schon das, was viele denken und auch untereinander austauschen - zum Themen wie „Macht", „Frieden", „Gemeinsames Abendmahl", ...
Die eigentliche Botschaft ist schlicht: „Authentizität".

Mit wem ich auch darüber spreche - mit Kollegen und Kolleginnen, mit Beate Blatz, der Geschäftsführerin der Evangelischen Frauen in Deutschland, mit dem Bischofssekretär Holger Winterholer ... - alle nehmen es so wahr, dass Frau Käßmann dieses Thema nicht nur benennt, sondern als Person repräsentiert.

Gibt es weitere Botschaften bei diesem Kirchentag? Und „wenn ja" - wie bringe ich meinen Gesamteindruck auf den Punkt? Als ich noch darüber nachdenke und nebenbei im Internet surfe stoße ich auf einen Kommentar von Matthias Dobrinski von der Süddeutschen Zeitung.
U.a. schreibt er:

Die Kirchen können in ihrer vielfältigen Krise nicht sein, was sie jetzt für das ganze Land sein müssten. Ein bisschen Mut macht der Ökumenische Kirchentag aber doch. 
Das Wort, das den Charakter des zweiten Ökumenischen Kirchentags in München beschreibt, heißt: trotzdem. Trotz des schlechtesten Wetters seit der Erfindung kirchlicher Großereignisse blieb die Stimmung unter den insgesamt 160.000 Christen gut; trotz der Missbrauchsskandale und des Rücktritts eines katholischen Bischofs dominierte das Thema nicht das Treffen; trotz ihres Rückzugs als Bischöfin und Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche begeisterte Margot Käßmann ihre Fans.
Und trotz des Stillstandes in der Ökumene gingen Katholiken und Protestanten freundlich und pfleglich miteinander um. Der zweite Ökumenische Kirchentag war nicht visionär, vorwärtsdrängend, optimistisch. Er war gedämpft und da, wo er gut war, nachdenklich, in seinen Antwortversuchen demütig. Und er war ein bisschen trotzig: Es gibt uns noch, uns Christen. Hurra, wir leben noch.
Der Kirchentag inmitten der Kirchenkrise war keine Zeitansage für die Welt, er war auch nicht so sehr Resonanzboden für die Themen, die zur Zeit das Land umtreiben. Er war mehr als die Treffen vor ihm eine Tankstelle für Christen, deren Treibstoffvorrat auf Reserve steht.
Eine Tankstelle für jene, die sich in der Schule, an der Uni oder am Arbeitsplatz dafür rechtfertigen müssen, dass sie noch Kirchenmitglied sind, die sich mit zunehmendem Frust in ihrer Kirche engagieren - wenn sie evangelisch sind, weil dort der Abbruch aller Traditionen spürbar ist wie nie zuvor, wenn sie katholisch sind, weil sie die Starre von Leere und oberster Leitung zunehmend selber erstarren lässt.
Wer so fühlt, der konnte tanken in München, ob beim Taizé-Gebet oder bei Margot Käßmann, bei den politischen und theologischen Foren oder einfach beim Verzehr fair gehandelter Bratwurst. Das ist auch der Grund, weshalb auf diesem Ökumenischen Kirchentag der politische und theologische Streit ausblieb.
In diesem Sinne ist das zweite Ökumenische Treffen ein Erfolg. Ein Erfolg, der nicht richtig fröhlich stimmt. Denn die Frage nach konkreten Ergebnissen fällt ernüchternd aus
.

Ja, denke ich beim Lesen, das trifft es wohl. Es drückt in etwa dasselbe aus wie „Nur zaghaft stimmen wir ein in das Lied der Maria."

 Regina Nagel 


nach oben

Stellenanzeige Bistum Fulda,
Region Hanau und Kassel


www.borromedien.de